Verkaufswelten.Innenarchitektur im Handel

Vor Kurzem wurden in Berlin wieder einmal weitreichende Entschlüsse gefaßt:
Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, der Zusammenschluß  aus der Berliner Stadtbibliothek und der Amerika Gedenkbibliothek,  soll sich in der Humboldt-Box und später im Humboldt-Forum als moderne, kundenorientierte Dienstleistungseinrichtung der Wissenschaft des 21. Jahrhunderts präsentieren.
Die Humboldt-Box wird derzeit aufwendig auf dem Schloßplatzareal zwischen der Baustelle des neuen Stadtschlosses und dem gegenüber liegenden Lustgarten errichtet.
Betreiber und Entwickler ist die Fa. Megaposter (www.megaposter.de).

Diese erhofft sich durch das Projekt, das sich durch Eintrittsgelder der hoffentlich zahllreichen Besucher refinanzieren soll, einen großen Imageschub.
Für die wirklich spektakuläre, moderne und metallisch- gewebeartige Gestalt der Box zeichnet das Berliner Architekturbüro KSV Krüger Schuberth Vandreike (Planung und Kommunikation GmbH) verantwortlich.
Die ca. 1.200 m² Gesamtfläche werden sich dabei die drei Partner des Humboldt-Forums, die ZLB (Zentral-und Landesbibliothek), die staatlichen Museen zu Berlin und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz  mit mehreren Veranstaltungsräumen, Cafes und Aussichtsterrassen in rund 20 m Höhe teilen.



Unser Büro Matthias Franz Innenarchitekten GmbH wird die Ausstellungsfläche der Zentral- und Landesbibliothek Berlin in der Box planen und ausbauen lassen - ein in jeder Hinsicht zukunftsträchtiges Projekt mit einem spektakulären Ausblick auf das alte Museum



In enger Zusammenarbeit mit den Beteiligten von der ZLB gestalten wir die vier Bereiche Lesen, Musik und Film sowie Kinder- und Jugendbuch modern und dem Zeitgeist entsprechend. Eine spannende Herausforderung - gilt es doch hier die Trends der modernen Bibliothek als Kommunikations- und gleichzeitig Lern- bzw. Studienort aufzuzeigen.
Die Fläche wird gleichzeitig Schaufenster für das spätere Erscheinungsbild der ZLB im Humboldt-Forum sein, welches dann in geschätzten 5 - 8 (?) Jahren fertiggestellt sein soll.
Nach den neuesten Sparbeschlüssen aus der Politik ist aus heutiger Sicht wohl der Fertigstellungszeitpunkt mehr denn je mit großen Fragezeichen versehen.
Wäre es nicht die Chance überhaupt den Nachbau eines alten Schlosses völlig neu zu überdenken und wie oben beschrieben gerade gestalterisch daraus ein zukunftsträchtiges Projekt zu entwickeln? Wie formuliert es die Süddeutsche Zeitung so treffend - die letzten berliner Baujahre sind vor allem ein Zeichen dafür, dass sich die Stadt mit der „Natursteinindustrie verbündet hat“.

Darüber hinaus wurde die Planung der neuen Bibliotheksräume [4.000 m²] als Aufgabe für Kommunikationsdesigner in Verbindung mit dem Leitsystem für das gesamte Schloss [27.000 m²] kombiniert ?!
Richtig wäre gewesen, dies als eigenständige Planungsleistung für Innenarchitekten auszuschreiben.

Fortsetzung folgt…
 

Vor kurzem besuchte ich die erst kürzlich neu eröffnete Münchener Stadtteilbibliothek Neuhausen, im ‘Trafo‘.

Die geschätzten Kollegen von a+p Architekten haben hier ein gelungenes Stück Architektur geschaffen, das sich mit seiner interessant gestalteten Fassade städtebaulich wunderbar zeitgemäss in die Abwicklung der umgebenden Bauten einbindet. Dass hier eine Stadtteilbibliothek eingezogen ist, ist jedoch von außen nicht erkennbar!
Für uns Innenarchitekten ist es nun von großem Interesse, in wieweit dieser gelungene Stil auch im Innenraum umgesetzt wurde.

Um es vorweg zu sagen: der Innenraum kann die Qualität der Hülle leider nicht im Ansatz wiederholen!
Schon im Eingangsbereich wurde durch den Einsatz von Naturstein eine nutzungs- und reinigungstechnisch schwierige Materiallösung gewählt.

Der halboffene Raum offenbart dann auch gleich eines der Hauptprobleme der Bibliothek: die Akustik.
Zwar wurden mit Wandverkleidungen aus Holzlamellen attraktive Gegenmaßnahmen ergriffen, deren Wirkungsgrad ist jedoch - gemessen an der Kubatur des akustisch wirksamen Raumes - viel zu gering.

Man hört über die Geschosse hinweg vertrauliche Gespräche! Eine Situation, der in der Planungsphase offensichtlich keinerlei Bedeutung beigemessen wurde!
Die Wahl des Bodenbelages fiel richtiger Weise auf einen textilen und pflegeleichten Teppich, die Farbwahl ist jedoch unglücklich hell - es fehlt den Räumen und Möbeln an einer spürbaren Erdung.

Die Anordnung der Deckenleuchten bewirkt eine homogene Ausleuchtung der Räume. Leider wurde die falsche Lichtfarbe gewählt. Ferner blenden die sichtbar unter die Decke montierten Leuchten, eine differenzierte und gerichtete Beleuchtung fehlt weitgehend, eine atmosphärische Beleuchtung sogar ganz!
An den wenigen Regalen, an denen die Bücher doch gerichtet angeleuchtet sind, verschattet sich dann der Nutzer selbst das gesuchte Buch.
Das in der Wandverkleidung integrierte Lesemöbel im Kellergeschoss wird mit drei kleinen Niedervolt-Halogenstrahlern weder zum Lesen ausreichend noch besonders atmosphärisch ausgeleuchtet - damit verwundert es nicht, dass dort nur weniger Leser länger Platz nehmen.

Die Anordnung der rollbaren Regale wirkt eher zufällig. Das Leitsystem(das keines ist) wenig informativ und provisorisch.
Die schöne Leseterrasse lädt zum entspannten Lesen unter freiem Himmel ein, auch wenn lediglich Sitzbänke ohne Rückenlehnen an den Tischen aufgestellt sind.
Ein gelungenes Bild ergibt sich im integrierten Altbau durch den Einschub einer Brücke mit darunter liegenden Regaldurchgängen.
Auf das akustisch problematische Tonnengewölbe des Raumes wurde leider auch hier nicht eingegangen. Die auf der Brücke angeordneten Arbeitsplätze sind daher zum konzentrierten Arbeiten nicht nutzbar. Der nach oben führende Handlauf ist dabei besonders detailliert und aufwendig ausgeführt. Er ist jedoch nicht durchlaufend ausgeführt, ein sicheres Umgreifen ist nicht möglich. Damit ist er in seiner Funktion höchst fragwürdig.

In das in der Fassade inszenierte Schaufenster im 1. Obergeschoss wurde ein Kissen in der Leibung fest montiert - die Nutzer sollen hier zum entspannten Lesen animiert werden.
Doch wer setzt sich schon gerne mit dem Rücken nach aussen in ein Schaufenster ohne eine Möglichkeit zum anlehnen? Hier hätte die umgekehrte Lösung dem
angestrengten Auge zum einen den entspannenden Weitblick in die Ferne ermöglichen können. Zum anderen hätte man so das Sehen und Gesehen werden wirkungsvoll inszenieren können.

Die sehr stark orientalisch angehauchte Kinderbuchabteilung verwundert im
gestalterischen Gesamtkonzept.
Eine moderne und zukunftsweisende spiel- und lernunterstützenden Einrichtung fehlt noch gänzlich.

Ein Wohlfühlort Bibliothek sieht meiner Meinung nach anders aus….
 

Kennen Sie Weiterstadt?
Vor kurzem besuchte ich das neue Einkaufszentrum LOOP 5 in Weiterstadt bei Darmstadt. Das LOOP 5 bietet 55.000 qm Gesamtmietfläche, verteilt auf 177 Geschäfte und 25 Restaurants.
Das zentrale Motto des Centers ist die Luft- und Raumfahrt und soll sich im Innenraum und der Architektur widerspiegeln. Leider wirkt das Center von außen wie eine unspektakuläre Produktionshalle mit angegliedertem großem Parkhaus. Im Innenraum jedoch verfolgt mich das Thema Propeller dann auf jede nur denkbare Weise: angefangen mit Farb- und Lichtspielen mit RGB-Steuerung an den Decken, Propellern jeglicher Größe als Motiv im Fußboden oder an Wänden, über reale Flugzeug-Oldtimer auf noch nicht vermieteten Bereichen bis hin zu Flugzeugkabinen, die als Sitzgelegenheiten dienen sollen.



 

Das Leitbild wirkt im Raum oft unnatürlich aufgesetzt, ist in der Ausführungsqualität jedoch hochwertig und im Detail durchdacht gelöst. Das Center selbst ist ebenfalls hochwertig geplant und ausgeführt, die Beleuchtung ist sehr differenziert und immer wieder überraschend und gut umgesetzt.
Das Farbkonzept ist modern, manchmal etwas grell und schrill aber in sich stimmig und frisch. Leider wurde die Qualität in der Gestaltung der Mall nur selten auf die Innenarchitektur der einzelnen Shops übernommen. Diese wirken oft sehr eintönig, café-farbene Böden und eine in gedeckten beigetönen ausgeführte Wandgestaltung in Kombination mit einer dunklen, manchmal auch schwarzen Decke scheinen derzeit das Allheilmittel zu sein. Nur wenige Läden setzen sich daher ab und bilden so ein selbstständiges Erscheinungsbild, wie z.B. die Kette Kiko. Dennoch präsentieren sich alle Einzelhändler mit ihrem aktuellsten Shopdesign. 

Friseurgeschäfte wirken so steril, dass kein Kunde den offenen Laden zu betreten wagt – zu gross ist die Schwellenangst – da hilft auch keine über die gesamte Breite geöffnete Fassade, für einen Friseur eher ungewöhnlich. Trotz des Massenandrangs ist der Bio-Lebensmittelhändler im Untergeschoss verwaist, trotz ansprechenden Konzeptes und der Frische der Ware.

Insgesamt setzte sich das LOOP 5 vom Einheitsbrei der ECE und mfi-Center deutlich ab und bildet so eine erfrischende Alternative zur gewohnt sterilen Center-Konsumwelt.

Vor kurzem besuchte ich mal wieder ein Lichtseminar unter Leitung des wohl bekanntesten Lichtplaners der Republik - Herrn Bartenbach senior.

Welche Bedeutung der richtige Einsatz von Licht (Tages- und Kunstlicht) hat, wird nach wie vor in vielen Fällen leider unterschätzt oder völlig falsch eingeschätzt.
Dabei werden wir Menschen maßgeblich in unseren Gefühlen und Stimmungen vom Zyklus des Sonnenlichtes bestimmt. Ohne ausreichendes Licht sind auch Farben nicht zu erkennen - Licht dient außerdem maßgeblich der Orientierung.
All das sind Vorgänge, die instinktiv ablaufen und denen sich niemand entziehen kann. Deshalb ist es umso wichtiger in Verkaufsräumen eine Atmosphäre zu schaffen, die die Menschen als besonders angenehm empfinden und sie dazu verführt, sich möglichst lange dort aufzuhalten.

Wiesbaden vorher Wiesbaden nachher


Wie man an diesem Beispiel (vorher - nachher) gut sehen kann, sieht man auf dem linken Foto, wie Licht klassischerweise falsch eingesetzt wurde. Es ist zwar sichtbar und „viel“ davon vorhanden, leider nur nicht dort, wo man es braucht - nämlich auf der Ware! Zudem erzeugt es eine eher ungemütliche Atmosphäre, die auch eine gute Orientierung verhindert.

Auf dem rechten Foto ist das Licht optisch eher unauffällig, doch in der Wirkung genau da, wo es sein soll - nämlich auf der Ware. Die Atmosphäre ist stimmungsvoll und mit
orangefarbenen beleuchteten Stützen wird Orientierung vermittelt und auf Sonderbereiche,
wie Info oder Kasse hingewiesen.

Warum Kunden kaufen - hierüber gibt es mittlerweile einige wissenschaftliche Erkenntnisse. Auch wenn hierbei noch einiges ein Mysterium bleibt - in einer angenehmen Atmosphäre hält sich der Kunde jedenfalls gerne auf.
Und Innenarchitekten können angenehme Atmosphären schaffen - eben auch mit dem richtigen Licht…
 

Vor kurzem nahm ich am 89. Bibliothekartag 2009 in Erfurt teil.
3 Tage standen unter dem Motto "Ein neuer Blick auf Bibliotheken" mit dem Schwerpunkt-thema "Die Orte der Bibliothek".
Architekten und Bibliothekare analysierten gemeinsam den Ist-Stand heutiger Bibliotheks-Architektur und -Innenarchitektur und zeigten neue Entwicklungen auf.

Mit meinem Büro nahm ich selbst als Aussteller samt Messestand teil und referierte im Rahmen der Vorträge auch noch über Innenarchitektur.
Dass sich Innenarchitekten als Dienstleister mit einem Messestand präsentieren war offensichtlich Neuland und noch äusserst ungewöhnlich. Doch wie auch in anderen Branchen gilt es auch hier, zunächst einmal Aufklärungsarbeit zu leisten - was macht ein Innenarchitekt, wozu wird er benötigt?

 



Wir sind nun einmal spezialisierte Architekten mit dem Ziel, Räume zu schaffen, in denen die Menschen sich wohlfühlen. Dieses Ziel erreichen wir massgeblich mit dem richtigen Einsatz von Licht / Beleuchtung, nutzerorientierten Raumstrukturen - auf die jeweilige Funktion abgestimmt, einer angenehmen Raumakustik, dem guten Klima [Raumtemperatur, Luft etc.] sowie der entsprechenden Farb- und Materialwahl.
Als die "Hugendubel-Architekten" sind wir darin erfahren, Kommunikations- und Erlebnisräume zu schaffen. Anforderungen, die gleichermassen wichtig für Buchhandlungen wie auch für Bibliotheken sind.

Auch ich habe mir verschiedene Vorträge angehört, u.a. von Dr. Marco Muscogiuri von alterstudio partners aus Mailand, der verschiedene Architekturentwürfe modernster Bibliotheken weltweit zeigte - leider ohne dabei auf die Innenarchitektur, die Nutzung, die dafür erforderlichen Raumstrukturen und Funktionsbereiche richtig einzugehen.
Dabei wurde eines immer wieder offensichtlich: der Bedarf an Spezialisten für den Innenraum - an Innenarchitekten - ist immens.
Ohne professionelle Unterstützung sind die heutigen Anforderungen auch oder gerade an öffentliche Räume nicht mehr zu erfüllen.
Bei jedem Bauvorhaben muss die Schnittstelle frühzeitig und die Zusammenarbeit zwischen Architektur und Innenarchitektur genau definiert werden.

 

 



In vielen Gesprächen mit Bibliothekar/innen an unserem Stand haben wir erfahren, wie die weit verbreitete Praxis im Bibliotheksbau heute aussieht: Die Architektur wird vorgegeben, mit viel politischer Energie diskutiert und entschieden. Oft zu spät werden sich dabei Gedanken über die funktionale Nutzung gemacht - und auch wenig intensiv - mit der dann die Nutzer, Bibliothekar/innen wie Besucher, 30 Jahre zurechtkommen müssen. Oft mehr schlecht als recht. Dabei ist gute Innenarchitektur keine Frage von Kosten - vielmehr vom Bewusstsein der Entscheider, die richtigen Fachleute rechtzeitig mit den entsprechenden Aufgaben zu betrauen.
Wir sind sehr gespannt über die weitere Entwicklung im Bibliotheksbau und wünschen möglichst vielen Entscheidern das erforderliche Bewusstsein …

 

Vor kurzem bestellte ich mir das "Handbuch Innenarchitektur 2008/09", herausgegeben vom BDIA = Bund Deutscher InnenArchitekten.
Das sehr interessante Vorwort, geschrieben von Prof. Rudolf Schricker (Präsident des BDIA) zeigt die zunehmende Bedeutung und Bandbreite unseres Berufsstandes: "…das Innere der Architektur ist zu komplex, zu vielseitig, zu interessant, zu abwechslungsreich, zu verantwortungsbewusst…ums es automatisch als Verlängerung der Hochbauaufgaben subsumieren zu können…."

Zunächst mit Verwunderung dann mit Unverständnis betrachtete ich die gezeigten Projektbeispiele, die sich in der Mehrheit in Ein-Raum-Konzeptionen und im Klein-Klein bewegen.
Dies also soll die Innenarchitektur 2008/09 sein?
Die Branche repräsentieren?
Welchem einfachen, laienhaften Anspruch will der BDIA mit dieser Auswahl genügen?
Damit werden der Beruf des Innenarchitekten und die berufliche Qualifikation leider genau in das Licht gerückt, in dem wir häufig von anderen Menschen (Laien wie Fachleuten) wahrgenommen werden.

Wie können zu diesem wirklich spannenden und gerade im Vorwort ausführlich beschriebenen Thema bestenfalls durchschnittliche Projektbeispiele, die leider allzu häufig den schlecht gestalteten Alltag wiederspiegeln, in einem Fachbuch veröffentlicht werden?

Werbung von Systembaufirmen und die Hälfte des Buches, welches lediglich die Mitglieder der einzelnen Bundesländer benennt, tun Ihr übriges, um sich schließlich nur noch über den Kaufpreis des Buches zu ärgern.

Es müsste doch möglich sein, zu zeigen, was Innenarchitektur bedeutet!?
Komplexe räumliche Zusammenhänge entwickeln, Erschliessungs- konzeptionen, Atmosphäre, Licht, geschossübergreifende Verbindungen und Zusammenhänge.
Und selbstverständlich stehen wir für die Koordination von Terminen + Kosten, sowie der Fachingenieure.
Der Innenarchitekt ist ein spezialisierter Architekt, der möglichst früh in den gesamten Planungsprozess eingebunden sein muss.
Gute Beispiele dafür gäbe es genug…

Vor kurzem wurde ich zur Einweihung des neuen ServiceCenters der Augsburger Aktienbank eingeladen.
Auch wenn die Nachrichten aus der Bankenwelt mich zunehmend aufregen, habe ich doch auch Positives zu berichten.
Positive Nachrichten von einer Bank? - was könnte das sein?



Der Mut der Augsburger Aktienbank gerade jetzt mit einer aussergewöhnlichen Innenarchitektur den Kundenbereich zu verändern, sollte Schule machen.
Viele Banken schotten sich eher dem Kunden gegenüber ab, in protzigen Palästen aus Stahl, Marmor und Glas.



Die Augsburger Aktienbank öffnet sich in ungewohnter Weise dem Kunden durch ein fast wohnliches Ambiente, mit organischen Formen, dem Ei-Sessel von Arne Jacobsen [Designklassiker!] - www.fritzhansen.com - auf einem grossen flauschigen Teppich [nicht Flokati!]. In die organisch geformte Wand des ServiceCenters wurden so genannte Beraterboxen eingesteckt, die durch Glasfronten Einblick zulassen und dennoch einen akustisch geschützten Raum bilden.



Diese Boxen sind für den einen oder anderen sicherlich gewöhnungsbedürftig, ich finde jedoch damit entsteht Vertrauen in die Offenheit einer Bank.

Wunderbar ist die Farbgebung - alles in Weiss! Weiss ist nicht gleich Weiss und so hat der Kollege [auch wenn er ’nur’ Architekt ist!] alle Nuancen von Weiss harmonisch zusammengebracht - sicher nicht ganz pflegeleicht.
Auf den ersten Blick ist man von soviel Unschuld und Reinheit fast geblendet.



Bei der Beleuchtung wurden leider nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Die Beraterboxen sind sehr aufwendig und doch nicht ideal ausgeleuchtet. Die Formenvielfalt des Hauptraumes hätte man mit entsprechendem Licht noch stärker akzentuieren können.

Der Gesamteindruck? Er lässt hoffen auf mutige Bauherren, ohne die gute Architektur / Innenarchitektur nicht möglich ist…

Vor kurzem besuchte ich die Domotex-Messe in Hannover. Im Rahmen der contract world habe ich mir viele Vorträge angehört. Dabei ist mir wieder einmal klar geworden, wie wichtig unser Berufstand u.a. für den Einzelhandel ist.

Da sich die Wege zur Kundenbindung und das Kaufverhalten der Kunden im Einzelhandel in den letzten Jahren grundsätzlich verändert haben, werden wir Planer in der Innenarchitektur mehr denn je zu Trend-scouts.

Dabei stellen sich mir grundsätzliche Fragen:
Was sind die Trends von heute und morgen ?

Trends sind z.B. die Rückkehr zur Natur, der Wunsch nach Natürlichkeit und Erlebbarkeit (durchaus in Kombination mit modernster Technik) und auch die zunehmende Bedeutung von Wellness und Entschleunigung.

Hoteliers haben dies schon länger erkannt und lassen neue Erlebniswelten schaffen.

Ein wunderbares Beispiel dafür ist das Tschuggen Grandhotel in Arosa (Schweiz), das durch gute Innenarchitektur einen deutlichen Mehrwert erzielt: in die Landschaft eingegraben, Ausblick auf die Berge, inszeniertes Tages- und Kunstlicht, die umgebende Natur nach innen geholt.

Mit Mehrwert meine ich zum einen die höhere Auslastung, die seit Realisierung des Wellness-Bereiches -mit Materialien aus der Region- deutlich zugenommen hat. Zum anderen ist dieser Mehrwert auch wörtlich zu nehmen. Mehr-Wert heisst mehr bieten können, heist mehr Umsatz generieren.

Was heißt das für den Einzelhandel?
Im Prinzip das Gleiche. Nur wer in seine Läden deutlich investiert, wird auch deutlich Mehr-Wert erzielen.

Was erwartet der Kunde zukünftig?
Erlebnis, Service, Innovationen, wertiges Umfeld unabhängig von der Preisklasse des Produkts. Globetrotter in Köln z.B. bietet seinen Kunden ein Einkaufserlebnis der besonderen Art: Schwimmbecken, Radrennbahn, Kletterwände ..., um nur einige zu nennen. Der Bezug zur Natur ist visuell erlebbar durch bedruckte Textilflächen unter dem Glasdach / Oberlicht, die einem das Gefühl vermitteln, man befinde sich mitten in einem Birkenwald.

Jetzt sind Menschen gefragt, die sich von den Meldungen zur Wirtschaftskrise nicht durcheinander bringen lassen und in die Zukunft investieren - Menschen mit Mut und Weitblick.

Es gibt viel zu tun - fangen wir an!