Verkaufswelten.Innenarchitektur im Handel

 

Material Vision 2011
 
 
 
Vor kurzem war ich bei der Material Vison in Frankfurt um einen Eindruck von den neuesten Trends und Entwicklungen zu bekommen.
Erster doch überraschender Eindruck war, dass von dem sehr weitläufigen Messegelände in Frankfurt nur ein sehr übersichtlicher Bereich für die Material Vision abgeteilt war.
Noch dazu erbärmlich ausgeleuchtet und mit einer sehr merkwürdigen Farb-und Materialwahl (eigenartige Vorstellung der Messebetreiber von Vision) ausgestattet, so dass einem im ersten Moment ganz schummrig vor Augen wurde. Gewissermaßen wie die arme Verwandschaft, der man den Katzentisch zuweist.
Nun gut, das Schwindelgefühl überwunden, weiter zu den Inhalten.
 
Mit zu den interessantesten Vorträgen , die dort zu hören waren, gehörte zweilfelsohne der Beitrag von proganic (www.proganic.de).
Die Grundidee – simpel und genial zugleich.
Man fragt sich unwillkürlich, wieso es bis zum Jahr 2010 dauern musste, bis sich jemand erbarmt eine Alternative zu Kunststoff zu entwickeln. Ein Bio-Werkstoff aus 100% nachwachsenden Rohstoffen und Mineralien und bis zu 100° C hitzebeständig. In Serie bereits (oder sollte man sagen leider erst) hergestellt in Form von Gebrauchsgegenständen wie Salatbesteck, Küchenutensilien, Giesskannen, Wohnacessoires etc. …natürlich, Sie merken, das Spektrum ist unendlich erweiterbar. Übrigens auch sehr zu empfehlen in diesem ZUsammenhang ist der Film "Plastic Planet", mehr unter
youtu.be/BV-19F-YvUY.
 
Auch die Produkte der Fa. Zelfo (zelfo-technology.com) zielen darauf ab Rohstoffe wiederzuwerten.
Zellulosehaltige Abfälle werden beispielsweise zu Laminaten/Brettern gepresst und können so im Ladenbau , gerade im Objektbereich sehr gut eingesetzt werden.
Eine weitere Produktneuheit aus dem Bereich Betonwerkstoff zielt ganz auf die Relektion von Licht und Glas (www.blingcrete.com).
Eingelassene Glaskugeln in der Betonoberfläche reflektieren Licht(strahlen), es ergibt sich so ein verblüffender optischer Effekt, den man bei „schwerem“ Matererial wie Beton nicht erwartet. Gerade für innenarchitektonische Anwendungen überaus reizvoll.

Ich bin schon gespannt auf die Räume und Orte, wo mir die beispielhaft genannten Materialien nun begegnen werden. Ich hoffe, Sie auch…
 
 
 

 

 Vor kurzem nahm ich an der EHI Retail Design Konferenz in Köln teil.
Was sich durch alle Beiträge der sehr unterschiedlichen Referenten zog, war die Erkenntnis und Bereitschaft des Handels, die Einrichtung zu verbessern.

Bildete den furiosen Auftakt der Veranstaltung:
Nils Müller, TrendONE
Copyright EHI Retail Institute

Interessant waren die Informationen aus den Reihen der Retailer, die
definierten, welche Anforderungen in den kommenden Jahren zu
bewältigen sind:
- unerlässlich wird die permanente Beobachtung des Marktes sein,
um zu wissen, was der Kunde wünscht und welche Bedürfnisse er
mit seinem Konsum befriedigen möchte
- die Bedeutung der Informationstechnologie gerade für den stationären
Handel! Mehr als 16% des gesamten Umsatzes werden heute online
erwirtschaftet - Tendenz steigend. Da können die Shop-Konzepte nicht
mehr ohne Berücksichtigung des virtuellen Auftritts geplant werden.
Jeder kennt natürlich auch selbst die manchmal sehr ernüchternden
Beispiele, wo man nach dem Besuch der gut gestalteten website auf
gestalterisches Nirwana im real life trifft. (was z.B. in der Hotel-Branche,
aber auch in anderen Branchen, doch öfters anzutreffen ist - da fühlt man
sich als Kunde manchmal doch - mit Verlaub „beschissen“)
- ein weiterer sozialer Trend, der auf dem Kongress unter die Lupe
genommen wurde, ist die Individualisierung der Gesellschaft, die sich in
der Zukunft weiter fortsetzen wird. Was beutet dies für den Handel? Produkte
sollen und werden mit emotionaler Aufwertung inszeniert, Eigenmarken mit
Persönlichkeit positioniert und Sortimente mit Botschaften versehen.
Ausgeklügelte Beleuchtungskonzepte und die Strukturierung des Raumes
dienen dazu, ein angenehmes und stimmiges Gefühl bei den jeweiligen
„Individuen“ sprich Kunden auszulösen.
- auch der Wunsch einer zunehmenden Käuferschicht, ökologisch und ethisch
korrekt zu konsumieren, ist ein individuelles Thema, welches vom Handel mit
einem entsprechenden Produktangebot aufgegriffen wird, um eine zunehmend lukrative Nische zu besetzen. Endlich! möchte man rufen, nicht zur lukrativen
Nische, aber zum nachhaltigen Wirtschaften und Bauen. Wie lange hat
dieses Thema gebraucht , um den Handel zu erreichen?!
 

Podiumsdiskussion "Grüner Ladenbau": Mike Winkler (Alnatura),
Claus Schmidt (Assmann), Claudia Horbert, Carsten Schemberg
(Schemberg), Architekt Prof. Moths und Harald Fischer (Rewe)
wagten einen Ausblick

Copyright EHI Retail Institute

- Ein weiterer sehr wichtiger Trend lautet Umbau statt Neueröffnung! Der
Bestand soll nachhaltig (ein Wort an dem ich einfach nicht vorbeikomme)
gesichert werden. Noch dazu, wo in immer kürzer werdenden Zyklen umgebaut,
sich und die Marke erneuert und relauncht wird.

Das Wichtigste Thema allerdings steht völlig unabhängig von der jeweiligen
Zielgruppe oder Altersschicht: das Bedürfnis ein Wohlfühl-Ambiente
vorzufinden. Sich treiben lassen, mal dort, mal hier schauen..verweilen…
Um dieses zu erreichen sind gekonnte Zonierung, Laufführung, excellente
Lichtkonzepte, entsprechende Farb-und Materialwahl unbedingt erforderlich.
Sie sehen – auch und gerade wir Innenarchitekten sind permanent gefordert…

 

 

Vor Kurzem wurden in Berlin wieder einmal weitreichende Entschlüsse gefaßt:
Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin, der Zusammenschluß  aus der Berliner Stadtbibliothek und der Amerika Gedenkbibliothek,  soll sich in der Humboldt-Box und später im Humboldt-Forum als moderne, kundenorientierte Dienstleistungseinrichtung der Wissenschaft des 21. Jahrhunderts präsentieren.
Die Humboldt-Box wird derzeit aufwendig auf dem Schloßplatzareal zwischen der Baustelle des neuen Stadtschlosses und dem gegenüber liegenden Lustgarten errichtet.
Betreiber und Entwickler ist die Fa. Megaposter (www.megaposter.de).


Diese erhofft sich durch das Projekt, das sich durch Eintrittsgelder der hoffentlich zahllreichen Besucher refinanzieren soll, einen großen Imageschub.
Für die wirklich spektakuläre, moderne und metallisch- gewebeartige Gestalt der Box zeichnet das Berliner Architekturbüro KSV Krüger Schuberth Vandreike (Planung und Kommunikation GmbH) verantwortlich.
Die ca. 1.200 m² Gesamtfläche werden sich dabei die drei Partner des Humboldt-Forums, die ZLB (Zentral-und Landesbibliothek), die staatlichen Museen zu Berlin und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz  mit mehreren Veranstaltungsräumen, Cafes und Aussichtsterrassen in rund 20 m Höhe teilen.Unser Büro Matthias Franz Innenarchitekten GmbH wird die Ausstellungsfläche der Zentral- und Landesbibliothek Berlin in der Box planen und ausbauen lassen - ein in jeder Hinsicht zukunftsträchtiges Projekt ! 



Entwurf: Matthias Franz Innenarchitekten GmbH 

In enger Zusammenarbeit mit den Beteiligten von der ZLB gestalten wir die vier Bereiche Lesen, Musik und Film sowie Kinder- und Jugendbuch modern und dem Zeitgeist entsprechend. Eine spannende Herausforderung - gilt es doch hier die Trends der modernen Bibliothek als Kommunikations- und gleichzeitig Lern- bzw. Studienort aufzuzeigen.
Die Fläche wird gleichzeitig Schaufenster für das spätere Erscheinungsbild der ZLB im Humboldt-Forum sein, welches dann in geschätzten 5 - 8 (?) Jahren fertiggestellt sein soll.
Nach den neuesten Sparbeschlüssen aus der Politik ist aus heutiger Sicht wohl der Fertigstellungszeitpunkt mehr denn je mit großen Fragezeichen versehen.
Wäre es nicht die Chance überhaupt den Nachbau eines alten Schlosses völlig neu zu überdenken und wie oben beschrieben gerade gestalterisch daraus ein zukunftsträchtiges Projekt zu entwickeln? Wie formuliert es die Süddeutsche Zeitung so treffend - die letzten berliner Baujahre sind vor allem ein Zeichen dafür, dass sich die Stadt mit der „Natursteinindustrie verbündet hat“.

Darüber hinaus wurde die Planung der neuen Bibliotheksräume [4.000 m²] als Aufgabe für Kommunikationsdesigner in Verbindung mit dem Leitsystem für das gesamte Schloss [27.000 m²] kombiniert ?!
Richtig wäre gewesen, dies als eigenständige Planungsleistung für Innenarchitekten auszuschreiben.

Fortsetzung folgt…
 

Vor kurzem wurde ich zur Einweihung des neuen ServiceCenters der Augsburger Aktienbank eingeladen.
Auch wenn die Nachrichten aus der Bankenwelt mich zunehmend aufregen, habe ich doch auch Positives zu berichten.
Positive Nachrichten von einer Bank? - was könnte das sein?



Der Mut der Augsburger Aktienbank gerade jetzt mit einer aussergewöhnlichen Innenarchitektur den Kundenbereich zu verändern, sollte Schule machen.
Viele Banken schotten sich eher dem Kunden gegenüber ab, in protzigen Palästen aus Stahl, Marmor und Glas.



Die Augsburger Aktienbank öffnet sich in ungewohnter Weise dem Kunden durch ein fast wohnliches Ambiente, mit organischen Formen, dem Ei-Sessel von Arne Jacobsen [Designklassiker!] - www.fritzhansen.com - auf einem grossen flauschigen Teppich [nicht Flokati!]. In die organisch geformte Wand des ServiceCenters wurden so genannte Beraterboxen eingesteckt, die durch Glasfronten Einblick zulassen und dennoch einen akustisch geschützten Raum bilden.



Diese Boxen sind für den einen oder anderen sicherlich gewöhnungsbedürftig, ich finde jedoch damit entsteht Vertrauen in die Offenheit einer Bank.

Wunderbar ist die Farbgebung - alles in Weiss! Weiss ist nicht gleich Weiss und so hat der Kollege [auch wenn er ’nur’ Architekt ist!] alle Nuancen von Weiss harmonisch zusammengebracht - sicher nicht ganz pflegeleicht.
Auf den ersten Blick ist man von soviel Unschuld und Reinheit fast geblendet.



Bei der Beleuchtung wurden leider nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Die Beraterboxen sind sehr aufwendig und doch nicht ideal ausgeleuchtet. Die Formenvielfalt des Hauptraumes hätte man mit entsprechendem Licht noch stärker akzentuieren können.

Der Gesamteindruck? Er lässt hoffen auf mutige Bauherren, ohne die gute Architektur / Innenarchitektur nicht möglich ist…

Vor kurzem besuchte ich die Domotex-Messe in Hannover. Im Rahmen der contract world habe ich mir viele Vorträge angehört. Dabei ist mir wieder einmal klar geworden, wie wichtig unser Berufstand u.a. für den Einzelhandel ist.

Da sich die Wege zur Kundenbindung und das Kaufverhalten der Kunden im Einzelhandel in den letzten Jahren grundsätzlich verändert haben, werden wir Planer in der Innenarchitektur mehr denn je zu Trend-scouts.

Dabei stellen sich mir grundsätzliche Fragen:
Was sind die Trends von heute und morgen ?

Trends sind z.B. die Rückkehr zur Natur, der Wunsch nach Natürlichkeit und Erlebbarkeit (durchaus in Kombination mit modernster Technik) und auch die zunehmende Bedeutung von Wellness und Entschleunigung.

Hoteliers haben dies schon länger erkannt und lassen neue Erlebniswelten schaffen.

Ein wunderbares Beispiel dafür ist das Tschuggen Grandhotel in Arosa (Schweiz), das durch gute Innenarchitektur einen deutlichen Mehrwert erzielt: in die Landschaft eingegraben, Ausblick auf die Berge, inszeniertes Tages- und Kunstlicht, die umgebende Natur nach innen geholt.

Mit Mehrwert meine ich zum einen die höhere Auslastung, die seit Realisierung des Wellness-Bereiches -mit Materialien aus der Region- deutlich zugenommen hat. Zum anderen ist dieser Mehrwert auch wörtlich zu nehmen. Mehr-Wert heisst mehr bieten können, heist mehr Umsatz generieren.

Was heißt das für den Einzelhandel?
Im Prinzip das Gleiche. Nur wer in seine Läden deutlich investiert, wird auch deutlich Mehr-Wert erzielen.

Was erwartet der Kunde zukünftig?
Erlebnis, Service, Innovationen, wertiges Umfeld unabhängig von der Preisklasse des Produkts. Globetrotter in Köln z.B. bietet seinen Kunden ein Einkaufserlebnis der besonderen Art: Schwimmbecken, Radrennbahn, Kletterwände ..., um nur einige zu nennen. Der Bezug zur Natur ist visuell erlebbar durch bedruckte Textilflächen unter dem Glasdach / Oberlicht, die einem das Gefühl vermitteln, man befinde sich mitten in einem Birkenwald.

Jetzt sind Menschen gefragt, die sich von den Meldungen zur Wirtschaftskrise nicht durcheinander bringen lassen und in die Zukunft investieren - Menschen mit Mut und Weitblick.

Es gibt viel zu tun - fangen wir an!